Ein T-Shirt für 2,50 Euro? So macht Primark es möglich!

Ein T-Shirt von Primark kostet etwa ein Drittel von dem was ein T-Shirt bei H&M kostet. Und selbst mit diesen niedrigen Preisen fährt das Unternehmen einen mächtigen Gewinn ein. Doch wie ist das eigentlich möglich?

Das Handelsblatt hat den Deutschland-Chef von Primark, Wolfgang Krogmann, einmal mit den Preisen konfrontiert und ihm die Preiskalkulation eines T-Shirts unter die Nase gehalten welches für 2,50 in der Filiale angeboten wird. Darauf antwortete er: „Die Zahlen werde ich nicht kommentieren. Aber ich widerspreche auch nicht.“ Laut den Berechnungen verdient Primark an einem 2,50 Euro T-Shirt immer noch über einen Euro.

Diese Gründe ermöglichen die billigen T-Shirts

Es gibt etwa 700 Menschen, die den Preis eines solchen Shirts nicht hinterfragen und die vor allem glücklich darüber sind, dass es so funktioniert. Die Rede ist hier von denen, die schon um 9 Uhr morgens vor der neuen Primark-Filiale in Wuppertal stehen und nur noch auf die Eröffnung warten um dann Socken, T-Shirts und Unterwäsche zu kaufen, die preiswerter sind als eine Portion Pommes.

Die Filiale in Wuppertal ist die weltweit 370. Filiale der Modekette. Doch wie schafft das Unternehmen es denn nun die Preise so unverschämt niedrig zu gestalten und trotzdem noch daran zu verdienen? Die Textilexpertin Beate Hölters von Tailorit erklärt wie der Preis eines 2,50 Euro T-Shirts aus Bangladesch zustande kommt: „Primark verwendet sehr preiswerte Baumwolle, daher kann man von 40 Cent pro Shirt an Materialkosten ausgehen“. Zurechtschneiden, Nähen und Fertigstellen kommt auf etwa 60 Cent. „Die Ware kommt in riesigen Containern ohne Zwischenhändler in die großen Primark-Lager“, erklärt Hölters. Der Preis für den Transport in den Laden liegt bei sechs Cent. Für die Verpackung kommen noch einmal drei Cent dazu. Der Staat bekommt zudem 40 Cent Umsatzsteuer. Hochgerechnet bleiben schließlich 1,01 Euro für Primark über – eine Gewinnmarge von über 40 Prozent.

Auch hier konfrontierte das Handelsblatt Primark erneut. Die Antwort darauf: „Leider können wir aufgrund der hohen Anzahl an Anfragen nicht auf einzelne Fragen dieser Art antworten. Daher können wir Ihnen in dieser Angelegenheit leider nicht behilflich sein.“

Eine erneute Konfrontation des Deutschland-Chefs mit den Zahlen führte zu folgender Antwort:
„Es sind drei Hauptgründe, warum die Primark-Klamotten zu den günstigsten der Kleiderindustrie gehören. Der erste ist ein einfacher Mengenrabatt: Primark lässt stets eine riesige Menge an Shirts herstellen, so dass ein einzelnes Teil im Einkauf das Unternehmen nur gut einen Euro kostet. Zum anderen hat Primark keine Zwischenhändler, sondern bestellt das fertige Shirt direkt bei den Herstellern. In den Fabriken versehen die Arbeiterinnen das Teil nach dem Nähen sogar schon mit dem Preisschild, ehe die Shirts in großen Containerschiffen nach Europa kommen. Wir zahlen auch stets sehr zeitnah, deswegen nehmen die Fabriken unsere großen Bestellungen auch an“, erklärt Primark-Chef Krogmann.

Ein letzter Punkt, der die günstigen Preise ermöglicht, ist die Gewinnspanne. Auch wenn 1,01 Euro an einem 2,50 Euro Shirt erst einmal viel klingt, so ist dies, verglichen mit anderen Unternehmen, ziemlich wenig. „Das sind 95 Prozent Aufschlag (Umsatzsteuer herausgerechnet) und gehört zu den kleineren Margen der Branche“, erklärt Expertin Beate Hölters.

Wie viel verdienen H&M, Levi’s und Co. Pro T-Shirt?

Verkauft H&M ein T-Shirt für 4,99 Euro so liegt der Gewinn des Unternehmens bei rund 2,95 Euro. Das entspricht einem Aufschlag von 238 Prozent. Noch krasser wird es bei Markenshirts. Kauft man ein Levi’s Shirt für 24,95 Euro, verdient das Unternehmen daran 15,85 Euro. Das ist ein Aufschlag von stolzen 310 Prozent.

Primark fährt daher eine Quantitätsstrategie. Dies findet natürlich nicht jeder gut, weshalb es neben einem großen Andrang an Kaufwütigen auch jede Menge Demonstranten zur Eröffnung nach Wuppertal getrieben hat. „Schillernde Fassaden – Umsonstladen!“, „14-Stunden-Arbeit“ und „Tote Flüsse!“ leuchtet die Schrift auf den Protestbannern der sozialistischen Jugend Deutschlands.

Auf die Proteste angesprochen, antwortet Krogmann, dass es ihm bewusst sei, dass die Arbeitsbedingungen in den Fabriken in Asien “nicht perfekt“ seien, man diese jedoch tagtäglich überprüfe und sich bemühe die Situation vor Ort zu verbessern.