Nur kalte Luft? Diese Eismarken bieten das Beste Preis-Leistungs-Verhältnis

Was gibt es bei dem warmen Wetter Besseres als ein leckeres Eis? Aber warum ist das Eis von Langnese oder Mövenpick eigentlich so viel günstiger als beispielsweise das Eis von Häagen-Dazs oder Ben & Jerry’s? Die Antwort darauf: Luft! Wir haben die Leckereien genauer unter die Lupe genommen.
Stellt man eine Packung Eis auf eine Küchenwaage zeigt diese rund 350 Gramm an, obwohl die Packung eine Menge von 500 Milliliter angibt. Natürlich kann es bei jeder Waage zu Abweichungen kommen doch in diesem Maße? Eigentlich geht man doch davon aus, dass 500 Milliliter Eis auch rund 500 Gramm wiegen. Vielleicht stimmt auch etwas mit der Waage nicht?

Die Tricks der Eis-Hersteller

Keine Sorge, mit der Waage ist alles okay. Grund für die Abweichungen sind die Tricks der Hersteller. Diese führen ihren Produkten nämlich eine große Menge an Luft zu. Das ist im ersten Moment auch gar nicht schlimm, schließlich wäre ein Eis ohne Luft nur ein einziger Eisklumpen. Doch es kommt ganz auf den Hersteller an. Während man bei dem einen viel Eis für sein Geld bekommt, ist es bei dem anderen mehr Schein als Sein.

Ein Test soll zeigen, was wirklich hinter den Versprechen der Hersteller spricht. Im Test:

– Langnese Cremissimo Bourbon Vanille; 1000 ml für 3,29 Euro
– Mövenpick Chocolate Chips; 900 ml für 1,85 Euro
– Edeka Italia Nocciola Panna; 500 ml für 2,49 Euro
– Ben & Jerry’s Chocolate Fudge Brownie; 500 ml für 5,99 Euro
– Häagen-Dazs Vanille; 460ml für 5,99 Euro

Eis wird in Deutschland zu den flüssigen Lebensmitteln gezählt. Die deutsche Fertigpackungsverordnung gibt vor, dass flüssige Lebensmittel nach ihrem Volumen und nicht nach ihrem Gewicht zu kennzeichnen sind.

Eine andere Sache ist es jedoch, wenn es nicht so leicht zu sagen ist, ob ein Lebensmittel nun fest oder flüssig ist, wie es eben bei Speiseeis der Fall ist. Hier tritt eine Sonderregelung in Kraft, die besagt, dass Eis ein flüssiger Stoff ist, welches in Volumen angegeben werden muss. Die Gewichtsangabe auf der Verpackung ist eine freiwillige Angabe der Hersteller.

Verbraucherschützer sehen das nicht so leicht. „Für uns ist Eis kein flüssiges, sondern ein festes Lebensmittel“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Für ihn erlauben die bestehenden Verordnungen den Herstellern lediglich Tricksereien. Die Vergleichspreise im Supermarkt geben nämlich nur den Grundpreis pro 100 Milliliter an, jedoch nicht den pro 100 Gramm.

Viel kalte Luft um nichts bei Langnese und Mövenpick

Enthält ein Eis viel Luft, so bedeutet das für den Kunden zwar auch viel Volumen, jedoch nur eine geringe Menge an Eis für den Preis, den sie zahlen. Beim Blick auf das Preisschild, wirkt das Produkt dann im Vergleich zu anderen Marken jedoch ziemlich billig. Die Verbraucherzentrale bezeichnet den Vergleichspreis pro 100 Milliliter daher als „verzerrt“. Würde die gesetzliche Kennzeichnung nach Gewicht erfolgen, so würde der Verbraucher sofort erkennen, wie viel Produkt er wirklich für sein Geld bekommt. Der Luft-Trick würde nicht mehr funktionieren.

Die Hersteller sind an dieser Stelle natürlich anderer Meinung. So setzt sich beispielsweise der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie dafür ein, dass die Vorgaben genauso bleiben wie sie sind. Für die Verbraucher würde sonst schließlich nur Verwirrung aufkommen, schließlich sei man an eine Kennzeichnung nach Volumen gewöhnt.

Nun aber zur Praxis. Mithilfe einer Küchenwaage soll aufgedeckt werden inwieweit die Angaben auf der Packung tatsächlich mit dem Produkt übereinstimmen. Dabei werden die Grundpreise pro 100 Milliliter und pro 100 Gramm verglichen.

Zwar ist das Eis von Mövenpick immer noch am günstigsten und auf Platz zwei und drei landen auch weiterhin Langnese Cremissimo und Edeka Italia, gefolgt von Ben & Jerry’s und Häagen-Dazs, doch die Preisunterschiede sind bei weitem nicht mehr so hoch wie noch zuvor vermutet.

Wichtigster Faktor: Eis-Preis pro Gramm

Eis-Käufer sollten daher immer beide Werte kontrollieren. Viele Anbieter haben bereits beide Kennzeichnungen auf ihren Packungen abgedruckt. Besonders bei Diät-Eis sollte man jedoch die Augen offenhalten. Besonders Ben & Jerry’s ist hier ein gutes Beispiel. Während das Unternehmen mit wenig Luft in seinem normalen Eis überzeugen konnte, ergibt sich bei der Light-Variante plötzlich ein ganz anderes Bild. Statt 230 Kalorien soll dieses Eis auf 100 Milliliter lediglich 130 Kilokalorien enthalten.

Wie das funktioniert: Eine Packung Cookie-Eis mit einer Masse von 425 Gramm pro 500 Milliliter hat plötzlich nur noch rund 307 Gramm. Die Light-Version verfügt also einfach über eine viel geringere Menge Eis, kostet dafür aber sogar einen Euro mehr als das normale.

Unilever & Schöller nehmen Langnese & Mövenpick in Schutz

Auffällig ist zudem, dass vor allem die günstigen Sorten mit einer großen Menge an Luft auch vollgepackt sind mit Emulgatoren und Stabilisatoren. Zudem wird in dem Eis auf billiges Pflanzenfett statt auf teures Milchfett gesetzt. „Das ist kein handwerklich hochwertiges Eis“, findet Verbraucherschützer Armin Valet.

Doch was sagen die Hersteller zu den Feststellungen?

Unilever sagt zur Luft im Cremissimo-Eis: „Das Aufschlagen mit Luft ist bei Speiseeis – ähnlich wie bei Schlagsahne – unverzichtbar, damit es cremig und zartschmelzend ist. Dadurch hält man die entstehenden Eiskristalle so klein wie möglich und erzielt die gewünschte, lockere Konsistenz.“

Zu Ben & Jerry’s teilt das Unternehmen mit: „Schokoladensauce, Keksstückchen und Glasuren sorgen nicht nur für den besonderen Genussmoment, sondern machen das Eis auch gehaltvoll. Einen direkten Vergleich zwischen beiden Eissorten zu ziehen ist weder sinnvoll noch zielführend.“

Froneri Schöller, Mövenpick-Hersteller nimmt folgendermaßen Stellung dazu: „Geschmack und Cremigkeit gehören zu den wichtigsten Faktoren, die den optimalen Eisgenuss bestimmen. Deshalb achten wir sehr genau darauf, dass die Rezeptur und die Menge des Luftaufschlages harmonisch aufeinander abgestimmt sind. Die Herstellung von cremigem Speiseeis ist ohne Luft nicht möglich.“