Wenn der Kunde zum Kassierer wird: Rewe führt Self-Scanner ein

Ganz egal ob bei Aldi, Rewe oder Saturn: Es gibt wohl kaum einen Verbraucher, der nicht von dem Warten an den Ladenkassen genervt ist. Studien belegen das immer wieder. Es ist als verwunderlich, dass bis jetzt noch kaum ein Händler etwas dafür getan hat, den Kunden diese Situation zu ersparen. Auch das eigene Smartphone der Kunden könnte dabei eine Rolle spielen.

Eine Rewe-Filiale in Köln-Rodenkirchen bietet den Kunden seit neusten die Möglichkeit ihre Einkäufe direkt zu scannen, noch bevor diese sie in den Einkaufswagen legen. Dabei wird entweder ein vom Laden zur Verfügung gestellter Scanner oder aber das eigene Smartphone, welches Produkte mit Hilfe einer App scannt, benutzt. Man hält das jeweilige Produkt dann kurz an das an den Einkaufswagen geklemmte Handy, scannt den Strichcode und schon landet der Artikel auf einer Liste im Handy-Display, inklusive dem Gesamtpreis der sich im Warenkorb befindenden Ware.

Nach beendetem Einkauf überträgt sich die erstellte Liste auf eine Selbstbedienungskasse, an der dann ganz schnell gezahlt werden kann. Dadurch spart der Kunde sich das Ein- und Auspacken der Waren an der Kasse und die ganze Prozedur wird beschleunigt. Die einzige Voraussetzung dafür ist die Nutzung einer Payback Karte. „Wir wollen die Warteschlangen an der Kasse reduzieren“, erklärt Rewe-Projektleiterin Julia Volks.

Und der Druck auf Rewe und Co. steigt immer weiter. Immerhin ist für 58 Prozent der Kunden die Warteschlange der größte Nervfaktor beim Einkaufen. Zwei Drittel der Befragte gaben sogar an, das Geschäft schon einmal ohne Ware verlassen zu haben, einzig und allein, weil ihnen die Warteschlange zu lang war. Dies hat der „Adyen Retail Report 2018“ ergeben.

Damit ist ganz klar, dass der Trend zum Selbst-Scannen immer größer wird. Auch wenn das Scannen direkt am Einkaufswagen weiterhin selten ist, so sieht man Selbstbedienungskassen immer öfter bei den deutschen Einzelhändlern. „Ende diesen Jahres wird es wahrscheinlich schon 800 bis 1000 Läden in Deutschland geben, die das anbieten“, schätzt Frank Horst vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI. „Das bedeutet fast eine Verdoppelung innerhalb von zwei Jahren.“ Die Händler Ikea und Real gelten hier ganz klar als Vorreiter.

Vor allem bei Kunden mit kleineren Einkäufen werden die Selbstbedienungskassen immer beliebter, da diese nur ungern mit zwei oder drei Teilen in einer langen Schlange anstehen möchten. Das Self-Scanning während des Einkaufs gewinnt jedoch vor allem bei Kunden mit großen Einkäufen zunehmend an Beliebtheit.

Deutschland liegt im internationalen Ranking hinten

Jedoch ist Deutschland ein echter Nachzügler was das Thema Self-Scanning angeht. Schuld daran ist der Verbraucher jedoch selbst. Im Umgang mit ungewohnten Geräten sind diese oft zurückhaltend und wählen schließlich doch die ungeliebte Warteschlange.

Selbst das Pilotprojekt von Rewe findet bislang nur wenig Anklang. Am Wochenende nutzen rund 100 Kunden die mobilen Scanner im Kölner Rewe. Dennoch sieht das Unternehmen die Lage diplomatisch: „Technisch geht mittlerweile vieles. Der Kunde muss es nur annehmen.“