Yes! Nestlé verpackt seine „Yes“-Riegel bald nur noch in Papier

In Zukunft können die Verpackungen der „Yes“-Riegel im Altpapier entsorgt werden, hat der Schweizer Nestlé-Konzern nun seinen technologischen Durchbruch verkündet. Die Umweltschützer von Greenpeace sind allerdings noch nicht zufriedengestellt.

Die Kritik am enormen Plastikverbrauch zeigt erste Wirkung. Einen ersten Schritt in die richtige Richtung macht nun das Unternehmen Nestlé indem es seine Riegel nicht länger in Plastik, sondern in Papier verpackt.

Beschichtet sei das neue Verpackungsmaterial mit einer Beschichtung auf Wasserbasis, wodurch es voll recyclingfähig sei. „Es kann wie jede Tageszeitung ins Altpapier gegeben werden“, sagte eine Firmensprecherin. Deutschland gehört zu den ersten Ländern, in denen diese Art der Verpackung genutzt wird.

Der Druck auf die Lebensmittelindustrie ist in den letzten Wochen enorm gestiegen, dadurch dass immer mehr Bilder von dem durch Plastik verschmutzen Meeren aufgetaucht sind und die Menschen schockiert haben. Nestlé will sich mit seiner Veränderung nun die Pionierrolle sichern.

Nestlé ist, laut eigenen Angaben, das erste Unternehmen, dass seine Produkte mit einer Hochgeschwindigkeitstechnologie in Papier verpackt. Dies wurde bisher nur bei Kunststofffolien und Laminaten so gemacht. Die Methode ermöglicht es Nestlé pro Minute rund 300 bis 500 Riegel vom Band laufen zu lassen, genau dieselbe Menge wie bei einer Verpackung aus Kunststoff.

Nestlé hat es damit geschafft einen Durchbruch für die gesamte Süßwarenbranche zu erreichen: „Diese technische Innovation ermöglicht es Herstellern im Süßwarensegment, recyclingfähige Papierverpackungen in großem Umfang zu verwenden und dabei die Qualität der Produkte über den gesamten Haltbarkeitszeitraum sicherzustellen“, so Nestlé. Unabhängige Organisationen wie Forest Stewardship Council (FSC) sollen das eingesetzte Verpackungsmaterial im Vorfeld zertifiziert haben.

Jedoch sei auch Papier keine Ideallösung. Wird es nur einmal verwendet, so sei das energie- und ressourcenaufwendig herzustellende Material auch „nicht besser für die Umwelt“ als etwa Kunststoffe. Dies ist die Meinung des Umweltbundesamtes.

Jedoch zersetzt sich Papier in der Natur viel schneller, wodurch das Mikroplastikproblem unserer Zeit deutlich reduziert werden würde. Ab 2021 sind Wegwerfprodukte aus Kunststoff wie Strohhalme oder Plastikbesteck und – Geschirr in der Europäischen Union verboten.

Fragt man Techniker dazu, so sagen diese jedoch, dass sich die üblichen Kunststofffolien um einiges besser für die High-Speed-Anlagen eignen, da diese leichter und strapazierfähiger sind. Dieses Material zu ersetzen sei nicht einfach, sagen auch umweltengagierte Fachleute wie der Unternehmer Alfred Ritter, Geschäftsführer von Ritter Sport. Auch seine Schokolade steckt in einer Verpackung aus Kunststoff. „Wir betreiben intensiv Forschung, um weitere Verbesserungen zu erzielen“, sagte Ritter kürzlich in einem Interview mit WELT. Jedoch ist dies „nicht trivial“ da das Produkt durch Polypropylen mit minimalem Materialeinsatz optimal beschützt werden kann.

„Papier ist beispielsweise keine sichere Methode, um Schokolade vor Umwelteinflüssen zu schützen“, erklärte Ritter. Nestlé hat dazu jedoch eine andere Meinung und übt so Druck auf die Konkurrenz aus. „Papier kann jetzt in großem Maßstab benutzt werden, während wir Produktqualität und Frische über die gesamte Dauer bis zum Verkauf garantieren können“, so das Unternehmen.

Im Herbst will Nestlé eine „breit angelegte Werbekampagne“ für die papierverpackten Snacks durchführen. Bis 2025 will das Unternehmen dann alle seine Verpackungen recycel- oder wiederverwendbar machen. Im letzten Jahr kam Nestlé auf einen Kunststoffverbrauch in Höhe von 1,7 Millionen Tonnen.

Die Umweltorganisationen freuen sich über die neuen Papierverpackungen – jedoch gibt es einen Haken. „Es ist immer gut, weniger Plastik zu verwenden“, sagte ein Greenpeace-Sprecher in Hamburg. Jedoch dürfe sich die Wirtschaft damit nicht aus der Verantwortung ziehen, die Gesamtzahl der Verpackungen zu reduzieren. Nestlé wird dem jedoch nicht gerecht, schon alleine weil das Unternehmen durch die niedrige Kaufkraft in den asiatischen Ländern immer stärker zu materialintensiven Kleinverpackungen greife.

Jennifer Morgan, Co-Chefin von Greenpeace, hatte Nestlé im April zu einer „Abkehr des Unternehmens von der Wegwerf-Kultur“ aufgefordert. Für Industrie und Handel ist dies jedoch nicht ganz so leicht. Schließlich kommen erst einmal Fragen zur Lebensmittelsicherheit, Qualität und Akzeptanz auf. Die höheren Kosten, die dadurch entstehen könnten, bleiben jedoch im Hintergrund.