Das bedeutet Online-Shopping für die Paketzusteller!

Erst vor kurzem ging ein Video rum, in dem ein Hermes-Bote zu sehen ist, der auf das Dach seines Lieferwagens steigt, Schwung holt und versucht ein Paket auf einen Balkon zu werfen. Das Paket prallt jedoch mehrmals ab und fällt zu Boden. Erst im dritten Anlauf gelingt dem Boten der ungewöhnliche Zustellungsversuch.

Dieser Moment stellt wohl den aktuellen Höhepunkt einer außer Kontrolle geratenen Situation dar. Allein im Jahr 2017 ließen sich Kunden 2,8 Milliarden Pakete liefern – im Schnitt sind das 70 Stück pro Haushalt im Jahr und somit rund 70 Prozent mehr als noch in 2006. Kein Wunder also, dass die Post damit überfordert ist.

Konnte ein Empfänger nicht zuhause angetroffen werden, so kam es teilweise zu sehr absurden Benachrichtigungskarten. So ist eine an einen „Herrn Amazon“ gerichtet, während ein anderes Paket beim Nachbarn „Keine Werbung“ abgegeben wurde. Die sozialen Netzwerke sind voll mit Funden dieser Art. 2018 gab es 50 trudelten bei der Bundesnetzagentur rund doppelt so viele Beschwerden ein wie noch im Vorjahr.

Die Zustellung an den Kunden wird in der Fachsprache als „letzte Meile“ bezeichnet. „Auf der letzten Meile entstehen 50 Prozent der Kosten bei der Paketlieferung“, erklärt der Logistik-Professor Kai-Oliver Schocke von der Frankfurt University of Applied Sciences. „Da kann ein Paketdienstleister viel falsch machen – hier entscheidet sich, ob er Erfolg hat oder nicht.“

Alle Paketdienstleister – egal ob DHL, Hermes, DPD oder GLS – haben es sich zum Ziel gesetzt, ihre letzte Meile zu optimieren. Denn sie alle leiden unter den gleichen Problemen: Sinkende Fahrerzahl bei wachsender Nachfrage. Zudem muss durch die neuen Klimavorgaben vermehrt auf E-Mobilität gesetzt werden. Mit über 9.000 Streetscootern ist die Deutsche Post an dieser Stelle jedoch schon ganz gut aufgestellt.

Gewinnwarnung für Deutsche Post

Zudem stehen die Zusteller oft in Staus oder finden keine Parkplätze – die einzige Lösung hierfür ist es in zweiter Reihe zu parken oder die Pakete weit zu schleppen. Häufig öffnet dann niemand die Türe und ein Weg zum Nachbarn steht an. Dabei geht eine Menge Zeit und Geld verloren und der Paketstapel wächst immer weiter.

Im vergangenen Sommer kündigte die Deutsche Post DHL sogar eine Gewinnwarnung an aufgrund von Problemen im Brief- und Paketgeschäft. 2018 lag der Umsatz bei 5,5 Milliarden Euro. Im Geschäftsbericht steht zudem: „Der deutsche Paketmarkt wird weiter wachsen.“ Und damit natürlich auch die Belastung der Zusteller.

Hier ein Beispiel von Hermes: Die Herausforderungen auf der letzten Meile sind massiv. DPD erklärt: Die letzte Meile sei „der mit Abstand aufwendigste Schritt im gesamten Transportprozess“. Die Kosten der Paketdienste werden auf der letzten Meile enorm in die Höhe getrieben. Für Anne Putz von GLS ist der Boom im Online-Handel schuld an der ganzen Situation. Die Menge an Bestellungen ist so stark gestiegen, dass die Grenzen der Kapazitäten überschritten wurden. Auch die Kunden die beim Zustellversuch nicht zuhause sind, werden hier mit in die Verantwortung genommen. Man bestelle Pakete obwohl man wisse, dass man nicht zuhause sein werde. Kaum einer nutze die Alternative der Paketshops.

Drohen Preiserhöhungen für die Haustürlieferung?

Die Branche versucht immer wieder die Situation auf der letzten Meile zu entschärfen. So gibt es beispielsweise auch Paketkästen, an denen Pakete auch neben den Öffnungszeiten der Paketshops abgeholt werden können.

Auch Mikro-Depots sind eine gute Alternative. An kleinen Sammelstellen werden die Pakete aufbewahrt und später dann mit Elektro-Lastenrädern ausgeliefert. In Frankfurt soll bald die erste Straßenbahn getestet werden, die die Pakete durch die Stadt befördert.

Es verwundert, dass die Paketbestellungen in Deutschland immer gleich viel kosten, egal ob eine Lieferung nach Hause oder in einen Paketshop geschickt wird. Schon bald könnte das allerdings ganz anders aussehen. Die Dienstleister Hermes, DPD und GLS überlegen bereits, die Haustürlieferung als „Premiumprodukt“ anzubieten und den Preis dafür zu erhöhen. Dadurch könnte die letzte Meile entlastet werden – so geht der sparsame Deutsche vielleicht zukünftig lieber zum Paketshop als mehr für den Versand zu zahlen.